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Europawahl 2019 – Wahlplakate ohne Inhalt?

von Mai 25, 2019Allgemein, Europawahl, Jugend & Politik0 Kommentare

Für mich steht fest, dass ich am 26. Mai meine Stimme für eine Partei abgeben werde. Doch für welche? Aus den Plakaten in unseren Straßen wird das wohl kaum ersichtlich.

Jeder kann sie zur Zeit in unseren Straßen sehen. Wahlplakate. Das Ziel dieser Werbemaßnahme ist eigentlich offensichtlich:

Parteien möchten ihre Inhalte bewerben, um dafür gewählt zu werden.

Doch das Stichwort Inhalt scheinen Parteien nur partiell Ernst zu nehmen.

SPD: Platzhalter oder Absicht?

Frieden? Muss ich jetzt die SPD für Frieden wählen? Ein Wahlplakat in Bamberg.

Was will mir beispielsweise die SPD mit ihren Hashtags „#europaistdieantwort“ erzählen? Mich soll jetzt ein Wort (mal Frieden, mal Europa) überzeugen? Es scheint fast so, als ob diese Wörter zunächst Platzhalter waren und man vergessen hat, einen Spruch hinzuzufügen. Für eine Partei, die als (ehemalige?) Volkspartei händeringend nach ihrem Profil sucht, scheint diese Wahlkampagne äußerst unglücklich zu sein. Denn diese Plakate verstärken den Eindruck, dass die Partei keine wirklichen Inhalte hat.

Grüne: Klimawandel als großes Ass

Andere Parteien wie Bündnis 90/ Die Grünen haben eine ganz andere Strategie.

Dauerthema Klimaschutz: Aktueller denn je.

Sie fokussieren sich lediglich auf ein Thema: Klimaschutz. Aufgrund der aktuellen Strömungen wie „Fridays for Future“ oder virale Videos wie „Zerstörung der CDU“ scheint diese Strategie äußerst zielführend zu sein. Laut Angaben des SWR ist der Klimawandel sogar vor der Friedenswahrung in Europa das wichtigste Thema für Wählerinnen und Wähler in Deutschland.

Dennoch sei erwähnt, dass die Grünen zunehmend versuchen in die Mitte zu streben. Hierfür ist ein breitflächeriges Spektrum an zukunftsfähigen Themen notwendig. Diese werden aber nicht auf den Plakten beworben.

CDU/CSU: Harte Worte, weiche Führung

Auch die Plakate der CDU/CSU scheinen eine eigene Strategie zu fahren. Da der bayerische Manfred Weber realistische Chancen für das Amt des Kommissionspräsidenten besitzt, ist vor allem sein Gesicht zu sehen.

Ein Gesicht und ein prägnanter Satz: Die Menschen sollen sein Profil erkennen können.

Dies hat aber auch einen weiteren Grund: Seine Unbekanntheit. Manfred Weber hat noch nie in einer amtierenden Regierung mitgewirkt. Die Leute kennen ihn nicht wirklich. Sie müssen also schnell verstehen, für was er steht. Der zurückhaltende Weber, der mit seiner Erscheinung wahrlich nicht mit der eines Markus Söder zu vergleichen ist, mit knallharten Aussagen über die Türkei? Ist diese Haltung so glaubwürdig, wenn man aufgrund eines Flüchtlingsdeals immer noch auf dieses Land angewiesen ist?

FDP: Zwischen Grün und Schwarz?

Die FDP setzt ebenso vor allem auf ein Gesicht: Nicola Beer. Der Balanceakt zwischen der CDU/CSU und den Grünen gestaltet sich als schwierig. Durch unachtsame Aussagen (Stichwort „Profis“) hat man es sich zunächst mit klimabewussten Wählern versaut. Bei den letzten Debatten wurde gerade der technologische Aspekt hervorgehoben, der eine gute Klimapolitik erst möglich macht. Diese Lücke wird aber nicht auf den Plakaten erwähnt. Ein klares Versäumnis.

Harte Worte – eine Gradwanderung zwischen Grünen und CDU/CSU

Viel mehr möchte man durch harte Aussagen ebenso wie die CDU/CSU Regeln aufzeichnen. Grundsätzlich verständlich, aber was sind denn jetzt klare Regeln für eine harte Währung (siehe Plakat)?

Fazit: Das ist noch ausbaufähig

Summa summarum lassen sich unterschiedliche Strategien der Parteien in der Wahlplakatpolitik erkennen. Doch fehlt es bei den einen an Inhalt, den anderen an vielfältigen Themen, den anderen an Authentizität. Im großen und ganzen: noch Luft nach oben, wenn man für solche Wahlplakate gewählt werden möchte!

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