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E-Scooterdebatte in den Städten – typisch deutsch

von Sep 13, 2019Verkehrspolitik0 Kommentare

Warum der elektrische Roller in skandinavischen Städten Gang und Gebe ist und hierzulande schon über mögliche Verbote und Gesetze debattiert wird. Ein Sinnbild für die Problematik deutscher Infrastruktur.

E-Scooter inklusive Helm – bald streng reguliert? Quelle: Pixabay.con

Als ich vor wenigen Tagen in den skandinavischen Großstädten Kopenhagen, Oslo & Co unterwegs war, nutzte ich meine Zeit dort, um vor allem zu Fuß die Stadt zu erkunden. Hierbei fiel mir sofort auf, wie oft hier schon E-Scooter zur Fortbewegung genutzt werden. In der Fahrradhochburg Kopenhagen reihten sich jene Roller mühelos in die Schlangen der befahrenen Fahrradstraßen ein. In keinem Moment schien mir die Nutzung gefährlich oder besorgniserregend. Viel mehr bezeugte es mich in dem Eindruck, dass sich die skandinavischen Länder in Sachen Infrastruktur (mal wieder) deutlich vor Deutschland positioniert haben.

Es dauerte kaum einen Monat nach der offiziellen Zulassung der Trettroller, als die ersten hitzigen Debatten über mögliche Verbote und Gesetze entstanden. So berichtete die Tagesschauausgabe vom 12.07.2019, dass härtere Maßnahmen sinnvoll seien. Hierbei verwies der Bericht auf acht Schwerverletzte in Berlin innerhalb des ersten Monats seit der Zulassung. Ein Beispiel für unnötige Hysterie vor dem Neuen.

Tagesschau vom 12.07.2019: E-Scooter als Verlierer im Verkehr.

Denn diese Zahl verliert deutlich an Brisanz, wenn man zum Beispiel die Zahl der Schwerverletzten der Radfahrerverkehrsunfälle in Berlin im Jahr 2018 betrachtet. Diese liegt laut der Polizei Berlin bei 806, also bei 67 pro Monat. Die Anzahl der verunglückten E-Scooterfahrer ist also deutlich geringer.

Auch das Argument der Helmpflicht scheint kontrovers zu sein. Ein Blick auf deutsche Straßen sollte genügen, um festzustellen, dass die deutlich schnelleren Fahrräder eine derartige Regelung viel dringlicher bräuchten.

Statistik der Polizei Berlin für das Jahr 2018: 806 Schwerverletzte bei Radunfällen.

Ich sehe viel mehr das Problem in der fehlenden Infrastruktur. Gewiss kann es gefährlich sein, wenn E-Scooter wild durch Fußgängerzonen oder auf dem Bürgersteig fahren. Die gleichen Probleme sehe ich aber auch bei ignoranten Fahrradfahrern. Viel mehr müssen mehr Fahrradwege gebaut werden, damit ökologische Fortbewegung stärker gefördert wird und wir weiterhin unsere Sicherheit auf deutschen Straßen nach vorne bringen. Denn die Angst vor Veränderung wird Deutschland nur weiter nach hinten in der modernen Mobilität bringen.

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