Die Gefahr hinter Pekings Datenkrake

Logo des sozialen Netzwerks TikTok. Quelle: TikTok

Artikel verfasst am 1. Mai 2020. Von Tim Gottsleben.

TikTok scheint gerade in der Langeweile rund um Corona zu dem sozialen Netzwerk des Jahres 2020 zu werden. Doch das Netzwerk birgt nicht nur gesellschaftlich betrachtet, sondern auch machtpolitisch große Gefahren.

Das Prinzip ist ähnlich wie Instagram, wird aber zunehmend von jüngeren Personen verwendet: 69 Prozent der Nutzer sind zwischen 16 und 24 Jahre alt, wobei die Jüngeren aufgrund der Richtlinien nicht mit in die Statistik eingehen – in Wahrheit wird das Netzwerk ebenso von 12-Jährigen verwendet. Bei Instagram oder Snapchat ist das aber auch der Fall, also nicht das Thema.

Wo ist das Problem?

Problematischer ist bei TikTok, dass Posts, die nicht dem gewünschten Inhalt der chinesischen Plattformbetreiber entsprechen, systematisch in den Hintergrund gerückt oder sogar entfernt werden. Das betrifft beispielsweise übergewichtige oder behinderte Menschen. Diese Oberflächlichkeit, herbeigeführt von Algorithmen, verpöhnt also schrittweise Erscheinungen, die in unserer Gesellschaft normalerweise vollkommen akzeptiert sind. Besonders Kinder werden somit zunehmend oberflächlicher. Aber auch dieses Problem stellt dieser Artikel nicht in den Vordergrund.

Die China-App TikTok muss sich an den Europäischen Datenschutz halten und es ist eine größere Frage, denn wir müssen da insgesamt weltweit dafür kämpfen, dass wir einen stärkeren Datenschutz bekommen.

Moritz Körner, FDP

Es geht tatsächlich auch um Machtpolitik. Der Datenschutzbeauftragte der Bundesregierung, der Verfassungsschutz und auch der deutsche Geheimdienst warnten bereits 2019 vor der Nutzung der Plattform TikTok. Dabei ist wichtig zu beachten, dass das Netzwerk zum chinesischen Konzern ByteDance gehört. Stimmt man den AGBs von TikTok zu, gestattet man ihr, ständig auf das Mikrofon, die Kamera und auch den Speicher des Smartphones zuzugreifen. Chinas Regierung hat den Verdacht der Kooperation mit TikTok bisher nicht ausräumen können.

Besonders auf den Smartphones von jungen und kreativen Menschen gehört TikTok zur Standardausrüstung. Quelle: Pexels.com

Man könnte fragen: Was ist denn der Unterschied zu Facebook?

Die Nähe zu Peking darf man dabei einfach nicht außer Acht lassen. Amerikanischen Beamten ist es tatsächlich verboten, die App TikTok auf ihr Smartphone zu installieren, da inzwischen nachgewiesen ist, dass die App eine Art Trojanisches Pferd für die eigene Datensicherheit ist. Wir als Bürger des Westens müssen dabei genauso Flagge zeigen, wie die Amerikaner. Meiner Ansicht nach ist es ein Unterschied, ob wir unsere Daten „unseren“ oder mit uns konkurrierenden Geheimdiensten zur Verfügung stellen.

„Insbesondere in Staaten, die nicht unser Verständnis einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung teilen, kann nicht ausgeschlossen werden, dass dort eventuell auch staatliche Stellen Zugriff auf die Daten erhalten.“

Ulrich Kelber, SPD

Selbstverständlich lässt sich darüber streiten, wem man seine Daten geben sollte und wem nicht. Dennoch müssen wir uns als Europäer immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass China gerade versucht, weite Teile des Planeten mit Hilfe ihrer neuen Seidenstraße einzunehmen. Es wäre leichtsinnig, besonders an dieser Stelle auch noch in Europa und Nordamerika die Macht der Chinesen dadurch zu steigern, indem man ihnen den Einblick in unsere Privatsphäre und auch indirekte Beeinflussungen ermöglicht.

Also: Wer auf den Download von TikTok verzichten kann, sollte dies auch tun.

Was war an diesem Artikel neu gedacht?

Neu gedacht war der schlichte Hinweis der Gefahr der App TikTok mit Bezug auf die globale Machtpolitik. Auch wenn es zunächst fraglich klingt, brauchen wir unbedingt wieder mehr Distanz von der Volksrepublik China und müssen uns der Gefahr, die von Peking ausgeht, auch in unserem Alltag bewusst werden.


Spätestens jetzt stehe ich wahrscheinlich auf „der Liste“. Auf die Problematik des Machtaufstiegs Chinas und die Gefahr, die daraus für uns alle entstehen kann, werde ich dennoch weiterhin hinweisen.

Hat Dir der Artikel gefallen? Teile mir gerne Dein Feedback mit. Bitte bleib gesund!

Ein Gedanke zu “Die Gefahr hinter Pekings Datenkrake

  1. Florens Schubring sagt:

    Ich habe bisher solcherlei soziale Medien hauptsächlich wegen der chronischen Dopaminsucht der gerade jungen Bevölkerung (und meiner eigenen) versucht eher zu meiden, aber das ist nochmal eine ganz neue und sehr interessante Betrachtungsweise. So habe ich darüber wirklich noch nie nachgedacht. Ich bin gespannt ob die politische Ideologie der Zukunft wohl die Demokratie oder der Sozialismus sein wird, wobei ich als freiheitsliebender Mensch meine Hoffnung auf ersteres setze. Danke für den neu gedachten Anstoß 😉

    Liken

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