China startet Stufe 2

Über die Expansionspolitik des Reichs der Mitte habe ich bereits im März einen Artikel verfasst. Das Problem sind kurz gesagt die Investitionen ins Ausland, die Peking zu politischem Druck auf andere Länder verhelfen. Hongkong und Wirtschaftssanktionen zeigen, dass Staatschef Xi nun die zweite Stufe startet.

Die Volksrepublik verhängte bereits im Dezember 2019 Sanktionen gegen den wirtschaftlich größten Konkurrenten, die USA. Ursache war die zunehmende Abschottungspolitik nicht nur Trumps, sondern auch der EU. Obwohl diese Distanzierung von China aus machtpolitischer Sicht völlig richtig ist, so gestattet dieser Schritt das Aufspielen Pekings zum „offenen“ Staat, wohingegen die anderen auf Protektionismus setzen.

Zudem kommt die Tatsache, dass China bereits zahlreiche Projekte, besonders in Afrika und Asien initiiert hat. Aus diesen Staaten erhofft sich Xi einen politisch hohen Ertrag: Den Einfluss auf dieses Land. Langfristig geht es also darum, andere Staaten auf seine Seite zu ziehen, um die eigene Macht zu steigern.

Außenpolitik von Großmächten ist taktisch manchmal anspruchsvoller als eine Partie Schach gegen Bobby Fischer. Quelle: Pexels.com

Handelt nun ein Staat wie Hongkong, der sich in wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht stets näher am Westen orientierte, entgegen dem Interesse zu China, so wird „Stufe 2“ sichtbar. Mit einem aufgesetzten Lächeln – ja man könnte passiv-aggressiv sagen – wird das Militär an der Grenze positioniert und der politische Einfluss erhöht. Selbstverständlich kommt Hongkong eine Sonderrolle zu, aber darum soll es garnicht ausschließlich gehen.

Hier wird ein Exempel statuiert. Länder wie Kasachstan, Kenia und Uganda sind gewarnt: Wird Peking zunehmend deutlich, dass der politische Einfluss trotz der massiven Investitionen nicht steigen wird, so werden die Handlungen Chinas auf Dauer offensiver ausfallen. Zurzeit handelt es sich noch um eine Mutmaßung, aber ich kann versichern: Dazu wird es kommen.

China als einen großzügigen, uneigennützigen Freund zu betrachten, ist der größte Fehler, der zurzeit außenpolitisch begangen werden kann. Hongkong zeigt uns, dass China seine Absichten – wenn es darauf ankommt – entlarvt.

Was war an diesem Artikel „neu gedacht“? Neu gedacht war die Verknüpfung eines durchaus misstrauischen Blick der chinesischen Außenpolitik mit den aktuellen Ereignissen in Hongkong.


Manchen kann bereits auffallen, dass ich mich in einigen Punkten sehr am Thema von Chinas Investitionspolitik verbeiße. Ich bin der Meinung, dass Objektivität zum Schutz unserer westlichen Werte hier unangemessen ist. Solltest Du hier anderer Meinung sein, würde ich mich über neuen Input sehr freuen.

Hat Dir dieser Artikel gefallen? Schreibe mir gerne eine Mail an tim.gottsleben@gmail.com, um Kritik oder Anregungen zu äußern.

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