Kommentar: Gezielte Entwertung

Die TAZ-Kolumnistin Hengameh Yaghoobifarah hat sich mit einer Kolumne in die Schlagzeilen katapultiert. In dieser arbeitet sie sich im Nachzug an die Proteste gegen Polizeigewalt in den USA an der deutschen Polizei ab. Ohne Grenzen zu ziehen.

Ein Kommentar von Tim Gottsleben

Es reicht aus, sich auf den letzten Absatz der Kolumne zu beschränken. Dieser lautet wie folgt: „Spontan fällt mir nur eine geeignete Option ein: die Mülldeponie. Nicht als Müllmenschen mit Schlüsseln zu Häusern, sondern auf der Halde, wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten.“ Diese Sätze entstammen Frau Yaghoobifarahs purem Hass auf unsere Exekutive, daran besteht kein Zweifel. Aber ist das Satire?

Beginnen wollen wir mit der Tatsache, dass sich diese Formulierung nicht nur gegen Polizisten richtet. Menschen, die bei den städtischen Müllabfuhren beschäftigt sind und allergrößten Respekt verdienen, als „Müllmänner“ zu bezeichnen und als Synonym für Abartigkeit und Wertlosigkeit zu verwenden, ist meiner Ansicht nach schon eine Persönlichkeitsrechtsverletzung für sich.

Was mich persönlich an der Thematik aber am meisten stört, ist ihre Doppelzüngigkeit. Angeblich – so wird die Kolumne aus linken Kreisen verteidigt – sei dies Satire. War es doch noch vor rund drei Jahren so, dass Linke die widerwärtige Äußerung von AfD-Sprecher Dr. Alexander Gauland, man müsse die Integrationsbeauftragte Özoguz (SPD) in Anatolien entsorgen, nicht als Satire durchlassen wollte.

Sogar das Synonym ist hier gleich. Wolfgang Kubicki (FDP) stellte 2018 zurecht fest, dass es bei dem Begriff „entsorgen“ immer um Abfall ginge. Bei Frau Özoguz ging das nicht als Satire durch. Aber 320.000 Polizisten darf man über einen Kamm scheren und als Müll bezeichnen? Der Hass auf die Polizei scheint also so groß zu sein, dass der Deckmantel der Satire hier ausgeweitet werden soll.

Die Polizei leidet durch die US-Proteste unter Stigmatisierung. Quelle: Pexels.com

Es geht um rund 320.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Letztlich Menschen, die ihrem Job nachgehen, um ihre Familie zu ernähren und um die Rechte und Freiheiten von 82 Mio. Bürgern zu verteidigen. Schauen wir uns nochmal die Formulierung an und stellen uns vor, die Rede sei nicht von Polizisten, sondern von Juden oder Muslimen. Den Skandal möchte ich nicht erleben. Wo ist der Unterschied? Es sind Menschen. Wo verliert ein Polizist seine Würde?

Es kann doch niemand ernsthaft behaupten, als Polizist würde man seine Menschlichkeit verlieren. Zu dieser Auffassung kann man nur kommen, wenn einem die Abwesenheit einer Exekutive selbst zu Gute kommt. Und das ist schließlich der Fall, wenn ich etwas zu verbergen habe. Diese Ablehnung und Diffamierung der Polizei erfolgt schon immer ausgerechnet aus den Kreisen, mit denen diese am meisten Probleme hat – nämlich Links- und Rechtsextremisten, Fundamentalisten und auch Ultra-Gruppierungen. Die Forderung der Entsorgung der Polizei ist also an Durchsichtigkeit nicht zu überbieten.

Ja, ich spreche es jetzt aus: Die Polizei soll aus dem Weg geräumt werden, damit man weiter Häuser besetzen, Autos anzünden und Läden plündern kann. Die Polizei soll aus dem Weg geräumt werden, um Sanktionen wegen Körperverletzung, Landfriedensbruch und Persönlichkeitsverletzungen zu vermeiden. Die Polizei soll aus dem Weg geräumt werden, damit man weiter Hetzjagden auf Klimasünder und Andersdenkende machen kann. Mit dem Rassismusproblem, das es ja durchaus gibt, hat das garnichts zu tun. Ich traue Frau Yaghoobifarah nicht zu, dass sie allen Ernstes Anarchie als Lösung im Kampf gegen Rassismus erachtet.

Wer die Handlungen und Motive der Polizei in den USA und Deutschland gleichsetzt und somit zu seinen eigenen politischen Ziele missbraucht, hat weder das Problem verstanden, noch ist diese Person an einer Lösung interessiert.

Hengameh Yaghoobifarah hat also erreicht, was sie mit ihren Hass-Tiraden offenbar erreichen wollte: Die so wichtigen Proteste gegen Rassismus in den USA durch eine vollkommen deplatzierte und überzogene Instrumentalisierung für weite Teile der Deutschen zu entwerten. Jetzt diskutieren wir halt nicht mehr über Rassismus, sondern die Pressefreiheit und Innenminister.

Und zum Schluss: Ganz ehrlich, Satire soll doch witzig sein. Das ist doch nicht witzig. Nächste Woche werde ich mich an einen satirischen Artikel zu dieser Form von Satire setzen, um mein Verständnis von Satire zum Ausdruck zu bringen.


Hast Du Fragen, Kritik oder Anmerkungen? Schreib mir gerne eine E-Mail an Tim.gottsleben@gmail.com.

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