Corona…Krise? Das Paradoxon der Superreichen

Die Corona-Krise hat viele bis ins Mark erschüttert. Manche stehen vor dem Nichts oder halten sich nur noch knapp über Wasser. Doch Corona bedeutet nicht für alle schwere Zeiten; gerade nicht für die reichsten Menschen dieser Welt. Ein Artikel, um das Paradoxe dieser (Wirtschafts)-Krise zu formulieren.

Aufstehen solle man und applaudieren. Respekt zollen und Dankbarkeit aussprechen. So waren die Worte der Politiker*innen und Prominenz, als man auf einmal mehr denn je auf die Krankenschwestern und Kassierer*innen dieses Landes angewiesen war. Doch ferner der Anerkennung können sich viele dieser Berufe, die „unser Land am Laufen halten“, kaum über Wasser halten. Denn eines hat sich auch seit dieser Erkenntnis nicht geändert: die einfachen, aber so wichtigen Berufe wie Bäckereifachverkäufer*innen und Briefträger*innen bleiben in Sachen Gehalt am Ende der Nahrungskette.

Dabei ist es geradezu paradox. Die Coronakrise hat uns alle auf irgendeine Art zurückgeworfen. Auf die Realität, die nun wie in Zeitlupe vor uns in den eigenen vier Wänden schwebt. Das, was man durch Arbeit, Treffen mit Freunden oder gar Aktivitäten außerhalb seines Hauses oder Wohnung getan hat, lenkte uns ab von uns selbst. Und dem, was wir sind, ohne all diesen Konsum und der Welt, die wir doch so gut kannten. Wir waren Anfang diesen Jahres – wie jetzt auch wieder – auf einmal eingesperrt, oftmals mit seinen engsten Bezugsmenschen, die vielleicht für den/die andere*n bereits fremd geworden waren.

Sind gefordert mehr denn je: Pflegekraft bei einer Pause. Photo by Jonathan Borba on Pexels.com

Nur diejenigen Betriebe, die als „systemrelevant“ eingestuft wurden und auch es dieser Tage wieder sind, haben noch geöffnet. Supermärkte haben offen, Paketdienste liefern fleißig aus, Lieferdienste wie Lieferando boomen. Und in all dieser Rückbesinnung und Stille fiel uns auf einmal auf, dass der Müll vor der Tür nicht von alleine verschwindet, die täglichen Brötchen nicht von alleine gebacken werden oder sich das Toilettenpapier nicht von alleine auffüllt.

Doch das solle sich nun enden, so zumindest die grundsätzliche Stimmung in der Republik. Es solle Prämien geben, so ließ es auch die Rewe Group bereits im März verlauten. Die Mitarbeiter mögen am zusätzlichen Umsatz mitbeteiligt werden. Vollzeittätige für die Monate März und April um jeweils 200 Euro, Marktleiter u.a. um 400 Euro. Gleiches galt für die Pflege, wo zwischen 1000 und 1500 Euro an Bonuszahlungen für 2020 ausgezahlt werden. Soweit so gut. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass wir weiterhin riesige Probleme im Niedriglohnsektor haben. Beispiel: Pflege. Seit Jahren fehlen hier Tausende an Pflegekräfte. Stand Anfang des Jahres 120.000. Das Resultat ist, dass die momentanen Pfleger*innen hoffnungslos überlastet und unterbezahlt sind – und das auch mit Bonuszahlung erstmal bleiben.

Die Amazon-Aktie ist seit März um 66% gestiegen. Die Löhne der Paketlieferant*innen auch?

Aber es geht nicht allen so schlecht dieser Tage. Dies zeigt eine Studie von PwC und UBS von Anfang Oktober auf: Laut deren Daten hatten die Milliardäre dieser Welt bis Juli 2020 ein unglaubliches Vermögen von 10,2 Billionen Euro angehäuft. Alle beobachteten Gewerbe, von Technologie, Gesundheitsindustrie und Unterhaltungsmedien, konnten auch im Jahr 2020 ihren Umsatz steigern. Die Amazon-Aktie stieg beispielsweise seit März 2020 von 1500 Euro um krasse 66 % (!) auf 2.600 Euro an. Wer kann da schon von einer Krise für Amazon-Besitzer Jeff Bezos sprechen?

Dass Mitarbeiter in den Filialen dennoch nur einen marginalen Anteil an dem Gewinn des Unternehmens erhalten, ist aber wohl kein Geheimnis. Oder hat sich der Lohn wohl auch um 66 % Prozent seit März 2020 gesteigert?

Bleiben wegen Corona leer: Bühnen und Theater. Künstler stehen momentan vor dem Nichts. Photo by Donald Tong on Pexels.com

Es wäre gewiss zu einfach und zu simpel, eine rapide Lohnerhöhung für Paketlieferant*innen oder Krankenschwestern zu fordern. Denn so tickt nicht unser System, das durch den Wahn nach Wachstum jedes Jahr einen Umsatzrekord nach dem nächsten jagt. Doch wie ich es bereits anfangs erwähnte: Es ist schon paradox, wenn Selbständige und Künstler*innen in unser Gesellschaft vor dem nichts stehen, aus ihrer Not heraus nun Essen ausliefern oder Regale einräumen, und andere sogar massiv von dieser Krise profitieren. Wie kann ernsthaft gerechtfertigt werden, dass diese knapp 2000 Milliardäre ihr Vermögen weiter anhäufen, während andere für kostenloses Essen anstehen müssen? Diese Krise hat uns aus unserem Alltag gerissen und uns zurückgeworfen auf die Realität in unseren eigenen vier Wänden. Doch manche scheinen dieser ferner zu sein als je zuvor.

Was war neu gedacht?

Krise ist nicht gleich Krise. Während einige Berufe ihre Wichtigkeit einmal mehr unterstreichen und ihre fragwürdigen Arbeitsbedingungen hinterfragen, stehen manche gar vor dem Nichts. Dieser Artikel sollte den krassen Kontrast in unserer Gesellschaft unterstreichen, wie manche um ihr Überleben kämpfen und wie eine kleine Minderheit sogar von Corona profitieren kann.

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