Jung & politisch (1): Fridays for Future – wir streiken bis ihr handelt !

FridaysforFuture – was steckt eigentlich genau dahinter? Ibo & Lotta, beides aktive Mitglieder von FfF Bamberg, erklären deren Ziele und Motivation.

HINWEIS: Gastbeitrag - für den Inhalt des Artikels sind allein die Gastautoren*innen verantwortlich.

„Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut!“. Dieser Satz spiegelt wider, warum so viele Menschen freitags unter dem Namen „Fridays for Future“ auf die Straße gehen und für eine ernstgemeinte Klimapolitik demonstrieren. Jahrzehntelang – um genau zu sein seit ca. 30 Jahren – während denen die wichtigsten Fakten und Folgen des Klimawandels bekannt waren, hat die Politik keine ernstzunehmenden Maßnahmen gegen die Erderwärmung ergriffen. Das hat unmittelbare Auswirkungen auf das Leben der Menschen heute. Denn je später angefangen wird, konsequent gegen die Klimakatastrophe vorzugehen, desto einschneidender und krasser werden die Veränderungen sein müssen.

Gegen jegliche Art von Kohlekraft: Bewegung FridaysforFuture.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit die schlimmsten Folgen der Klimakatastrophe verhindern könnte. Darunter zählen auch die sogenannten Kippelemente. Phänomene, wie das Auftauen des Permafrostbodens oder das Schmelzen des Grönland – Eis, die, einmal in Gang gesetzt, nicht wieder rückgängig gemacht werden können. Aus diesem Grund fordert Fridays for Future die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens und explizit des 1,5 Grad Ziels. Damit orientiert sich die Bewegung an der aktuellen Klimaforschung. Auf Deutschland  übertragen bedeutet diese Forderung die Reduktion der Treibhausgasemissionen auf Nettonull bis zum Jahr 2035, den Kohleausstieg bis 2030 und 100% erneuerbare Energieversorgung bis 2035.

Wir sind überzeugt, dass eine gerechte Welt möglich ist und alle Menschen in Frieden miteinander leben können. Dazu gehört auch, dass Menschen nicht vor den katastrophalen Folgen der Klimakrise flüchten müssen oder Regionen der Welt, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben, am stärksten unter seinen Folgen leiden. Wir wollen optimistisch in die Zukunft schauen können. Deswegen streiken wir jetzt, denn in 20 Jahren ist es dafür zu spät!

„Kein Grad weiter!“, Aktivist Ibo aus Bamberg.

Ob Fridays for Future mit seinem Protest Erfolg hat, ist ein Streitpunkt bei viel Aktivist*innen. Einserseits haben wir unglaublich viele Menschen auf die Straße gebracht. Die Fridays for Future Demonstrationen sind eine der größten Proteste Deutschlands bisher, was z.B. der 25.09.2019 gezeigt hat, als circa 1,4 Mio Demonstranten auf den Straßen in Deutschland waren. Außerdem hat die Klimakatastrophe erst durch Fridays for Future einen so hohen Stellenwert in Politik und Medien erlangt, das ist doch ein Erfolg! Auf der anderen Seite ist noch immer keine einzige unserer Forderungen umgesetzt worden. Das lässt uns an dem politischen Willen der Regierung zweifeln, das 1,5 Grad Ziel als grundlegend für die Umsetzung von ernstgemeintem Klimaschutz anzuerkennen.

Mittlerweise ist Fridays for Future zu einer globalen Bewegung geworden. In Deutschland organisieren sich die tausenden Aktivist*innen dezentral und basisdemokratisch, sodass jede der rund 700 Ortsgruppen in Deutschland die Möglichkeit hat, an bundesweiten Entscheidungen mitzuwirken. Deswegen gibt es auch keine bundesweite Koordinierung. Stattdessen gibt es eine WhatsApp-Gruppe, in der aus jeder Stadt zwei bis drei Delegierte teilnehmen. Die circa eintausend Delegierten tauschen sich mind. einmal pro Woche in einer Telefonkonferenz über aktuelle Aktionen aus oder diskutieren Anträge. Die inhaltliche Arbeit passiert währenddessen vorallem in den verschiedenen Arbeitsgruppen. Es gibt eine bundesweite Website-AG, eine Presse- und eine Social-Media-AG, eine Finanz- und eine Newsletter-AG sowie eine für die Planung von globalen Streiks. Eine weitere Arbeitsgruppe sorgt für die Kommunikation mit anderen Fridays-Gruppen, wie Parents oder Scientists for Future. Auf regionaler Ebene kommen noch AGs für die Planung der Freitagsdemos hinzu. Außerdem versteht sich FFF als überparteiliche Bewegung. Mitmachen kann also jede*r, der/die mit ihren Zielen übereinstimmt.

„Es ist zwei vor 12!“, Gastautorin Lotta.

Oft heißt es: „Wir sind die letzte Generation, die die Klimakatastrophe noch aufhalten kann“. Natürlich geht die Welt nicht unter, wenn die Weltgemeinschaft das 1,5 Grad Ziel verfehlt. Aber die Frage ist, in was für einer Welt wir später einmal leben möchten und das hängt maßgeblich von jedem 10tel Grad Erderwärmung ab. Stell dir vor, deine Körpertemperatur ist „nur“ zwei Grad wärmer und steigt immer weiter. Die Ärzte würden alles dafür tun, deine Temperatur zu normalisieren. Unserer Erde geht es ganz genauso, ihre überlebenswichtigen Körperfunktionen müssen erhalten werden.  Wir fordern von den zuständigen Politikern: Hört endlich auf die Wissenschaft! Es braucht politische Maßnahmen, wie eine angemessene CO2 Bepreisung von 180€ pro Tonne oder ein Ende der Subventionierung fossiler Energieträger, damit Deutschland seinen gerechten Beitrag zum Pariser Klimaabkommen leistet. Warum werden diejenigen Verhaltensweisen, die unseren Planeten langfristig zerstören immernoch belohnt, indem sie günstiger und unaufwendiger sind? Klimaschutz darf für den/die Einzelne*n nicht mehr Aufwand, mehr Zeit und mehr Geld bedeuten! Zwar kann schon Jede*r von uns einen ersten Schritt machen, indem er*sie seinen / ihren privaten Konsum reduziert. Dennoch müssen die entscheidenden Weichenstellungen in der Politik passieren, denn es ist zwei vor zwölf! Wir fordern eine Politik, die der Hauptaufgabe des 21. Jahrhunderts, nämlich der Bewältigung der Klimakrise, gerecht wird!

#KEIN GRAD WEITER

von Ibo Mohamed und Lotta Fröhlich aus Bamberg, zwei Aktivist*innen von Fridays for Future. Besonders wichtig ist es ihnen, zu betonen, dass FFF keine reine Schülerbewegung ist, sondern alle Generationen vertreten sind. Denn Klimaschutz geht alle etwas an!

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