„Die Rente ist sicher“

Olaf Scholz (SPD) erntete harte Kritik, doch was steckt hinter dieser Aussage und wie tauglich ist die gesetzliche Rente in dem Modell noch? Ein Kommentar.

Olaf Scholz machte es Norbert Blüm gleich und betonte die Sicherheit der Rente, im gleichen Atemzug forderte er die Stabilisierung des Rentenniveaus bis 2040. Der gleiche Mann ermutigt die Bürger, ihr Geld auf Girokonten und Sparbücher zu legen, wo er selbst sein Geld auch habe. Dass die Banken auf solche Konten seit Jahren kaum Zinsen gutschreiben, scheint er verdrängen zu wollen. Geld auf Sparbüchern parken und die Rente stabilisieren wollen, ist das eine langfristige Lösung der Rentenproblematik?  

Geld im Alter-oft gebraucht, selten gesehen. Photo by Andrea Piacquadio on Pexels.com

Schauen wir uns diese beiden Punkte mal näher an: Sein Geld auf Girokonten und Sparbüchern liegen zu lassen bedeutet, eine Geldminderung durch Inflation in Kauf zu nehmen. Die Inflation ist eine gewollte Senkung der Kaufkraft des Geldes, d.h. für die gleiche Menge an Waren oder Dienstleistungen, muss man mehr Geld bezahlen. Beispielsweise kostet eine Kugel Eis nicht mehr 1€, sondern 1,50€. Das ist Inflation. Die jährlich angestrebte Inflationsrate der Bundesrepublik Deutschland (BRD) beträgt 1,6%-2%. Dadurch wird die Volkswirtschaft stabil gehalten. 

Kurzes Beispiel:  Alfred steht mit seinen 60 Jahren kurz vor der Rente. Mit 67 Jahren möchte er in den Ruhestand und hat dafür bereits 100.000€ auf seinen Konten angespart. Bei einer angenommenen Inflation von 2% würden aus seinen aktuellen 100.000€, bis zum Renteneintritt sieben Jahre später, knapp 87.000€ werden.  

Sparbücher sollten der Vergangenheit angehören

Ein Kaufkraftverlust von 13.000€ in sieben Jahren (in diesem Fallbeispiel) wäre die Folge, wenn man auf Olaf Scholz ersten Vorschlag hört und sein Geld auf Konten liegen lässt. Weshalb er dennoch dazu rät, ist schleierhaft, da die Zahlen klar zeigen, dass die Inflation das zu einem äußerst defizitären “Geschäft” macht. 

Gucken wir nun auf seinen zweiten Punkt, die Forderung nach einer Stabilisierung der Renten bis 2040. Zunächst einmal müssen wir zwei Fakten auf den Tisch legen. Erstens, das Rentenniveau liegt bei 48% in Deutschland, d.h. ca. 48% des letzten Gehalts erhält ein Rentner als Brutto-Rente und zweitens, guckt man sich einen aktuellen Rentenbescheid an, den jeder Arbeitnehmer ab dem 27. Lebensjahr erhält, steht dort wörtlich drin: “ Da die Renten im Vergleich zu den Löhnen künftig geringer steigen werden […] wird eine zusätzliche Absicherung für das Alter wichtiger […]”. Mit anderen Worten, der Bund der deutschen Rentenversicherung schreibt in seinen Rentenbescheiden, dass die gesetzliche Rente nicht ausreicht und zusätzliche Vorsorge notwendig ist.  

Die Rentenarmut steigt in der BRD. Photo by cottonbro on Pexels.com

Selbst wenn die Renten bis 2040 auf diesem Niveau bleiben würden, müsste nahezu jeder seinen Lebensstandard, mit dem Renteneintritt, halbieren. Lassen wir diesen Punkt mal außer Acht, bleibt eine große Schwierigkeit in der Stabilisierung der gesetzlichen Rente, undzwar die in 15-20 Jahren in den Ruhestand gehende “Babyboomer-Generation”. Die zwischen 1955-1970 Geborenen bilden die größte Arbeitnehmergeneration jemals in der BRD da. Da unser Rentensystem auf dem Generationenvertrag beruht und umlagefinanziert ist, stellt die stetig wachsende Anzahl der Rentner, gerade die junge Generation der Steuerzahler, vor große Zukunftsfragen. Um die gesetzliche Rente stabil zu halten bis 2040, wird Scholz auf steigende Steuer- und Sozialabgaben setzen. Nur so kann gewährleistet werden, dass die monetären Rentenansprüche der Rentner sicher gestellt sind. Steuererhöhungen sind allerdings kein Mittel, welches man beliebig viel ausschöpfen kann, denn auch die Arbeitnehmer müssen logischerweise genügend Geld zur Verfügung haben. Scholz Rentenplan geht bis 2040, aber nicht ein Jahr darüber hinaus.  

Es stellt sich automatisch die Frage, wie kann dieses Rentensystem langfristig finanziert und aufrecht gehalten werden, wenn nicht durch steigende Steuer-/Sozialabgaben? Wird sich der Staat weiter verschulden müssen und langfristig den Kurs der “schwarzen Null” verlassen? Oder nimmt sich die Politik der Thematik im notwendigen Umfang an und reformiert das deutsche Rentensystem?  

Es gibt viele Möglichkeiten, doch die Aussage zu treffen, die Rente sei sicher und könne bis 2040 stabilisiert werden, ist keine. Denn selbst bei einer Stabilisierung bis 2040 wäre die Rentenproblematik nicht gelöst, sondern allenfalls aufgeschoben und die dann anstehenden finanziellen Fragen noch größer. Traut sich die Politik nicht, diese Aufgabe anzugehen? Auch die Aussagen von Finanzminister Scholz regen zum Nachdenken an. Hat die Politik etwa keine adäquate Lösung? 

Viele Vorschläge-keine Lösung. Rentenproblem akuter als jemals zuvor. Photo by Ingo Joseph on Pexels.com

Eine mögliche Lösung wäre, wenn sowohl Arbeitnehmer, als auch Beamte, z.B. Lehrer, Polizisten etc. in einen Rentenfonds einzahlen würden. Eine Aufhebung der zwei-Klassen-Gesellschaft zwischen Pensionsbezügen und gesetzlicher Altersrente würde finanzielle Abhilfe schaffen, langfristig. Oder man gucke in das Ausland. Schweden ist ein Vorbild diesbezüglich, dort wird ein Teil der Rentenbeiträge in Investmentfonds investiert. So wird zum einen der Inflationsausgleich bewirkt und zum anderen mit dem Geld Rendite erwirtschaftet. Auch das wäre eine langfristige Alternative. Möchte man unser deutsches Rentensystem nicht komplett reformieren, wären auch Steuersenkungen eine mögliche, effektive Lösung. So würde dem Arbeitnehmer mehr Geld bleiben, um für sein Alter vorzusorgen. Um dort anzusetzen und Anreize zu schaffen, könnte die Politik die Abgeltungssteuer senken, um Altersvorsorge durch Kapitalerträge, z.B. durch Aktien, Gewinnausschüttungen usw. zu fördern.  

Mit welchen Lösungen auch immer sich die Politik befasst und das Rentenproblem angehen will, eins ist sicher, die Rente ist es nicht. ARD, ZDF und Co. berichten seit Jahren über die Rentenproblematik und die finanzielle Lücke zwischen Erwerbs- und Renteneinkommen. Überall scheint angekommen zu sein, dass die gesetzliche Rente nicht stabil und private Altersvorsorge zwingend erforderlich ist. Es bleibt nur eine Frage, wann merkt die Politik, dass Sie Verantwortung gegenüber den jungen Generationen hat und die Rentenfrage nicht länger ungeklärt bleiben darf? Will Olaf Scholz Kanzler werden, muss er eine echte Lösung präsentieren, nicht eine Aufstockung durch Steuergelder und eine Erhöhung von Steuer-, bzw. Sozialabgaben.