Wochenaufreger: #PinkyGate – Was steckt dahinter?

Selten trendeten Gummihandschuhe im Internet wie diese Woche. Der Hashtag PinkyGate ging innerhalb weniger Stunden bei Twitter als auch bei Instagram derart viral, wie es Hygieneartikel normalerweise sonst selten tun. Hinter dem Hashtag verbirgt sich der Aufschrei über die Darstellung der weiblichen Menstruation anhand eines gepitchten Produktes bei der VOX-Sendung ‚Die Höhle der Löwen‘.

Kommen wir zunächst zum Anfang dieses heißkritisierten Malheurs. Zwei junge Start-Upper aus Olpe stellten in der VOX-Sendung ihr Produkt, die Pinky Gloves, vor. Diese sollen menstruierenden Menschen helfen, ihre Menstruationsprodukte hygienisch entsorgen zu können. So weit so gut. Es ist immer toll, wenn das Menstruation thematisiert wird – und das sogar zu Primetime -, da das Thema (Achtung: schlechter Wortwitz) immer noch ein ‚regelrechtes‘ Schattendasein fristet. Wir erinnern uns: Lange wurde in der Tampon- oder Bindenwerbung anstelle von Regelblut eine blaue (jup, blaue) Flüssigkeit verwendet, um die Saugfähigkeit dieser zu testen. Oder Frauen in weißen Gewändern liefen krampffrei über grüne Wiesen. Entschuldigt mal: Ich kenne keine einzige Frau, der es während ihrer Periode so gut geht, dass sie gern in weißen (!) Kleidern tiefentspannt über eine Wiese hopsen würde. Verwunderliche Darstellungen der weiblichen Periode, aber das ist ein anderes Thema.

Kommen wir zu Pinky Gloves. Diese Handschuhe sind aus der Beobachtung entstanden, in dem die Erfinder blutige Tampons im Badmülleimer ihrer WG entdeckt haben und dies als eklig empfanden. Die Intention der pinken Handschuhe sei auch gewesen, dass oft bei Festivals oder Zugfahrten selten Abfallbehälter zur Verfügung stehen, so dass Frauen ihre Menstruationsprodukte nicht entsorgen konnten. Und so ist die Idee zu einem Produkt entstanden, die von Ralf Dümmel von „Die Höhle der Löwen“ dann noch finanziell unterstützt wurde.

Das Produkt: Pinky Gloves, nun bekannter als je zuvor.

Doch die Idee kam nicht so gut an, wie zunächst gedacht. Pinky Gloves wurde fix zum #PinkyGate. Doch zunächst muss gesagt werden, dass es natürlich ein Fortschritt ist, dass überhaupt über Menstruation gesprochen wird und dass es Start-Up-tauglich ist.

Doch #PinkyGate zeigt so viele problematische Dinge auf. Zum einen, was vielen Frauen aufstößt: Die PinkTax. Das ist der überteuerte Aufpreis, den Frauen oftmals bezahlen müssen, weil ein Produkt zu einem ‚weiblichen‘ Produkt durch die Farbe Pink oder Rosa wurde. Diese Produkte sind meist doppelt oder dreifach so teuer, als gewöhnliche Vergleichsprodukte (denkt mal an Einmalrasierer).

Dann auch ultraproblematisch in Zeiten von Fridays for Future & Co. der Nachhaltigkeitsaspekt – (zwar recyclebar) aber dennoch Einweghandschuhe – die fallen eindeutig aus dem heutigen Zeitgeist.

Pinky Gloves, sagen einige, wirkt wie ein Produkt aus den 50er Jahren.

Ein weiterer Aspekt, der von vielen Kritiker:innen gebracht wurde, ist, dass Männer den Zuschlag für den Pitch erhalten haben. Ein großes Problem der Start-Up-Szene ist, dass weibliche Unternehmerinnen zunächst seltener vertreten sind, aber dazu noch seltener Finanzierungangebote erhalten. Tijen Onaran, die Ikone der weiblichen deutschen Start-Up-Szene, schrieb auf ihren Instagram-Account, dass 96 Prozent der Risikokapitalfirmen von Männern geführt werden, und äußerte berechtigte Kritik, dass Männer eher in Männer investieren würden. Pinky Gloves ist nur ein weiteres Beispiel für diese strukturelle Benachteiligung der Frauen. Das zeigt das Beispiel des Periodenwäscherunternehmens Ooia. Gründerinnen dieses Unternehmens waren zwei Jahre zuvor in „Die Höhle des Löwen“ und obwohl sie ein viel nachhaltigeres Produkt vorgestellt haben, haben die Entrepreneurinnen keinen Zuschlag erhalten. Ihnen wurde gesagt, ihr Produkt sei zu „nischig“. Bei der Hälfte der Bevölkerung, die menstruiert und zudem menstruieren wird, ist das schon eine sehr kühne These.

Doch kommen wir zum eigentlichen Hauptaufreger: Die weibliche Periode wird als etwas Ekeliges, Schambehaftetes dargestellt, das bloß nicht gesehen werden darf, weder in WG-Mülleimern noch im öffentlichen Raum. Diese Vorstellung passt so gar nicht in unsere Zeit, die ein entspannteres Verhältnis zu den unterschiedlichsten Dingen propagiert. Pinky Gloves, sagen einige, wirkt wie ein Produkt aus den 50er Jahren. Der „Löwe“ Ralf Dümmel reagierte schnell auf die Kritik und entschuldigte sich und regte eine Aussprache an.

Was war neugedacht?

Neu gedacht ist an diesem Artikel, dass pinke Handschuhe die Kraft haben, Soziale Medien in Aufruhr zu bringen und, dass das Thema weibliche Periode, Periodenblut und gesellschaftliche Stellung und deren Darstellung in der letzten Woche deutlich diskutiert wurde. Und ganz wichtig: PinkTax – geht einfach gar nicht!