Das Gendersternchen * Warum es längst überfällig ist

Astronaut.

Woran denkst Du, wenn Du das oben stehende Wort liest?

Vermutlich denkst Du an einen Mann, der in einem weißen Raumanzug steckt und in einer Rakete sitzt? Woran Du im ersten Moment vermutlich nicht denkst, ist, dass es sich ebenso gut um eine Frau handeln könnte, die einen solchen Anzug trägt. Würde man stattdessen von Astronaut*in, Astronaut_in oder AstronautIn sprechen, denken einige Menschen vielleicht noch immer an einen männlichen Astronauten, einige Andere aber denken vielleicht zuerst an eine weibliche Astronautin.

Vor Kurzem hat eine Umfrage zur Einstellung gegenüber der Gendersprache ergeben, dass 65 Prozent der Deutschen die Nutzung einer Sprache ablehnen, die alle Geschlechter einbezieht [1].

Wie der Astronaut am Anfang zeigt, beeinflusst die Art wie wir uns ausdrücken, die Art und Weise, wie wir uns bestimmte Dinge vorstellen und wie wir über sie denken [2]. Der Astronaut verdeutlicht auch, dass Sprache in der Lage ist, ganze Menschengruppen auszugrenzen. Durch gendergerechte Sprache kann es gelingen, alle Menschen einzubeziehen und zu respektieren. Dabei geht es längst nicht mehr nur um das Nennen von Männern und Frauen. Es geht vor allem um die Gleichstellung aller Menschen. Mit dem Unterstrich, dem Gendersternchen, dem Binnen-I oder neutralen Ausdrücken sind eben nicht nur männlich und weiblich gemeint, sie beziehen sich genauso auf non-binäre Menschen, die ohne diese Kennzeichnung nicht genannt werden würden [3].

Sprache muss sich wandeln, da sich unsere Gesellschaft ständig wandelt.

Umstellungen in der Sprache mögen sich zunächst komisch und befremdlich anfühlen, da sie nicht unserer Gewohnheiten entsprechen. Kritiker*innen werfen der Gendersprache vor, sie würde die deutsche Sprache verunreinigen und verkomplizieren [4]. Dabei befindet sich Sprache in einem ständigen Wandel. Jährlich werden neue Worte in den Duden aufgenommen und nicht mehr zeitgemäße Worte werden gestrichen. Sprache muss sich wandeln, da sich unsere Gesellschaft ständig wandelt. Kommen beispielsweise neue Technologien auf den Markt, folgen daraus neue Bezeichnungen, um unsere Umwelt benennen zu können. Vor 25 Jahren hätte niemand das Wort „googeln“ benutzt, weil es die Suchmaschine damals nicht gab. Vielmehr hätte man sich über den Gebrauch von Anglizismen geärgert. Heute ist das Wort fest in unserem Sprachgebrauch etabliert. Sich sprachlich zunächst an etwas zu stören muss nicht etwas Negatives sein. Es kann dazu führen, dass Probleme erkannt werden. Gendersprache weist auf Diskriminierung gegenüber Frauen, non-binären Menschen und sogar gegenüber Männern hin. Sie weist darauf hin, dass wir in einer diversen Gesellschaft leben und alle Mitglieder dieser Gesellschaft das Recht haben, genannt zu werden. Uns Befürwortern von Gendersprache geht es nicht um das stumpfe Einfügen von Unterstrichen, Gendersternchen oder dem Binnen-I. Es geht uns darum, die Vielfalt unserer Gesellschaft langfristig zu akzeptieren und zu respektieren.

Gendersprache ist ein Teil der Lösung.

Natürlich kann geschlechtergerechte Sprache nicht dafür sorgen, dass gleiche Gehälter für die gleiche Arbeit bezahlt werden. Sie allein kann auch nicht dafür sorgen, dass Menschen aufgrund von Äußerlichkeiten keine Ablehnung mehr erfahren. Um hier anzukommen, muss über Gendersprache hinaus gehandelt werden. Wie der Astronaut zeigt, verändert Sprache aber unser Bewusstsein. Sie wirkt sich auf unser Denken und Handeln aus. Damit ist Gendersprache ein wichtiger und richtiger Schritt zur Bekämpfung von Diskriminierung und Rassismus – sie ist ein Teil der Lösung. Unsere Aufgabe ist es, zusammen an dieser Lösung zu arbeiten.

Quellen:

[1] https://www.infratest-dimap.de/umfragen-analysen/bundesweit/umfragen/aktuell/weiter-vorbehalte-gegen-gendergerechte-sprache/

[2] https://genderdings.de/gender/gendern/

[3] https://genderdings.de/gender/gendern/

[4] https://www.sonntagsblatt.de/artikel/medien/pro-und-kontra-geschlechtergerechte-sprache