Olaf Schulz – er kam, sah und verzockte sich

Die SPD-Basis hat entschieden. In einer knappen Wahl konnte sich der Favorit und aktuelle deutsche Finanzminister Olaf Scholz mit seiner Kandidatin Klara Geywitz nicht durchsetzen. Eine Niederlage, die seinen politischen Abschied und Abstieg bedeuten wird.

Amtierender deutscher Finanzminister: Olaf Scholz

Das Erstaunen war groß, als bekannt wurde, dass das der Öffenlichkeit doch recht unbekannte Paar Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken in der Stichwahl mit 53 Prozent den Zuschlag für den SPD-Vorsitz bekam. Mit Spannung und Hohn war der bis dahin stattgefundene Wettschreit zwischen den Bewerbern auf den 23 Regionalkonferenzen beobachtet worden. Nicht zuletzt auch die Bewerbung von Olaf Scholz, der somit als Kandidat des führenden SPD-Establishments galt.

Scholz ist eigentlich einer der großen Gewinner der Großen Koalition, hatte er doch dank dieser Regierungsbildung 2018 erfolgreich den Sprung von kommunaler Ebene auf Bundesebene geschafft. Der ehemalige Oberbürgermeister von Hamburg sorgte mit seiner Kandidatur trotzdem für ordentlich Verwirrung.

Der neue Vorsitz: Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken

So hatte er im Vorfeld doch nach dem Rücktritt von Andrea Nahles noch angekündigt, auf das Amt des Vorsitzenden „zum Wohle der Partei“ verzichten zu wollen. Was habe ihn dann zu dieser Kehrtwende bewogen, wurde er bei der Sendung „Anne Will“ gefragt. Gründe sah Scholz vor allem in der niedrigen Anzahl der Bewerber, sowie einer „Verantwortung, die er für die Partei zu tragen habe“. Der wahre Grund wäre wahrscheinlich damals gewesen: Scholz witterte die einmalige Chance in der Reihe von lauter unbekannten Namen durch das Amt des Vorsitzenden die Zügel der Partei in die Hand nehmen zu können.

Der Aufwand? Für einen amtierenden Finanzminister, der gerade gegen Ende des Jahres eher mit der Haushaltsplanung beschäftigt sein müsste, immens hoch. 23 Regionalkonferenzen bestritten alle Kandidierenden, um sich der Basis von (immerhin noch) über 400.000 Mitgliedern vorzustellen.

Es wäre eine bemerkenswerte Karriere gewesen innerhalb von zwei Jahren auf Bundesebene deutscher Finanzminister und SPD-Vorsitzender zu werden.

Diese Vorstellung an der Basis, die dann auch per Wahl über den Vorsitz entschied, wurde nun Scholz zum Verhängnis. Zwar betonte er noch am Wahlabend die nötige Geschlossenheit der Partei, doch hat diese persönliche Niederlage einen bitteren Beigeschmack. Angetreten – trotz anfänglichem Verzicht – war Scholz, um für den Verbleib in der großen Koalition (GroKo) mit der CDU zu werben. Nun hat das „GroKo-Gegner“-Lager mit Walter-Borjans und Espen gewonnen. Die Partei wendet sich somit nicht nur gegen Scholz, sondern auch gegen seine Politik und das führende SPD-Establishment.

Zwar sitzt der 61-jährige nicht vor einem Scherbenhaufen wie Martin Schulz 2017, dessen Niederlage bei der Bundestagswahl jegliche Parteienkarriere zunichte machte, doch hat Scholz den Kampf um die Macht in seiner Partei verloren. Es wäre eine bemerkenswerte Karriere gewesen. Olaf Scholz, der erst 2018 auf die Bundesebene rückte, gleich deutscher Finanzminister wurde und schließlich Ende 2019 noch Vorsitzender der SPD hätte werden können. Doch so schnell jener Aufstieg ging, so steil wird auch deren Fall sein. Nach dem Ende der Großen Koalition.

Große Koalition am Ende?

Ich habe mich für eine kleine Umfrage in den Straßen Bambergs umgehört, um die Meinungen von Bürgerinnen und Bürgern über die momentane Politik einzuholen. Ein Überblick.

Parteienlandschaft im Wandel – das Ende von Volksparteien?

Warum schwanken Volksparteien?

(Person A): „Die SPD hat in letzter Zeit stark auf Sozialpolitik gesetzt. Damit konnte die ‚klassische’ Wählerschaft aber nicht mehr erreicht werden. Die Arbeiterschicht, verbunden mit ihren Gewerkschaften, gibt es nicht mehr in dem Sinne, in dem sie lange existierte. Die CDU hat nicht so stark damit zu kämpfen, weil die Wählerschaft noch vorhanden ist und lediglich zum Teil grün oder AfD wählt. Hier müssen die Christdemokraten Überzeugungsarbeit leisten und die Wählerschaft zurückgewinnen.“

(Person B): „Volksparteien haben ein klares Problem: Ihre Antworten auf Asyl-/Umweltpolitik sind zu kompliziert. Weder ein klares ‚Ja‘, noch ein klares ‚Nein‘. Das ist zu wenig für viele Wähler. Durch das permanente Suchen nach Kompromissen hat man Stimmen nach links (Grüne) und rechts (AfD) verloren.“

Haben die Grünen das Potential, eine Volkspartei zu werden?

(Person C): „Ja, ganz klar. Sie müssen bloß noch andere Themen weiter nach vorne bringen. Das kann eine neue politische Epoche werden.“

(Person A): „Nein. Im jetzigen Modell setzt die Partei nur auf Umweltpolitik, das eben gerade sehr polarisiert. Dennoch ist eine klare Entwicklung seit der Anfänge einer reinen Protestpartei klar erkennbar.“

(Person D): „Nur wenn sie die SPD schlucken können. Ansonsten landen sie wieder bei neun Prozent, wenn das Klimathema abflacht.“

Glauben Sie an Neuwahlen vor Ende der Wahlperiode?

(Person B): „Wenn sich die Umfragewerte stabilisieren, ja! Die SPD kann sich bei derartigen Prozentpunkten keine Neuwahlen leisten, da bangen einfach zu viele Parlamentarier um ihre Existenz im Deutschen Bundestag. Der einzig andere Weg wären Mitgliederbefragungen, bei denen die Basis die Parteien zu Neuwahlen zwingt.“

(Person D): „Schwierig zu beantworten. Ich denke, dass nur ein sogenannter ‚Programmatischer Schock‘, also eine neue Krise, eventuell zu Neuwahlen führen könnte.“

(Person C): „Nein, das würde bloß noch mehr Chaos verursachen, als es jetzt schon gibt.“

Hochschulwahlen 2019 – So läuft es an der Universität

Jedes Jahr haben Studierende in Deutschland die Möglichkeit, bestimmte Gremien an ihrer Universität zu wählen. So auch an meiner Universität in Bamberg. Doch politische Aktivität an der Universität ist durchaus interessanter als ihr Ruf. Ein Kommentar.

Im Studium muss sich nicht nur alles um Lernen und Formeln drehen: Auch politisches Engagement ist gefragt!

Wie auch in vielen anderen Universitäten in Deutschland werden diese Woche die Gremien von Studierenden neu gewählt. Zum einen gibt es den Studierendenkonvent (quasi das Parlament der Studierenden), zum anderen Senatorinnen und Senatoren (Abgeordnete, die im direkten Dialog zur Universitätsleitung stehen) sowie den Fachschaftenrat (unpolitische Vertretung derInteressen der Studierenden ihrer Fachschaft).

Zur Wahl für den Rat stehen die jeweiligen Fachschaften der Fakultät. Für die Wahl der anderen zwei Gremien stehen jeweils bestimmte Hochschulgruppen. Zwar gibt es auch politisch-unabhängige Hochschulgruppen, dennoch können die meisten Gruppen einer gewissen Partei zugeordnet werden. So entsteht beispielweise an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg folgende Konstellation: SDS (Linke), BAGLS (Grüne), JuSos (SPD), LHG (FDP) und RCDS (CSU).

Das grundsätzliche Ziel scheint dasselbe: Das Studieren so angenehm wie möglich zu machen. Durch die Nähe zu den bekannten Bundesparteien lassen sich jedoch deutliche Unterschiede in der Hochschulpolitik ausfindig machen. So sind linke Hochschulgruppen beispielsweise für eine Zivilklausel, die jegliche Forschung, die mit Krieg zu tun hat, verbieten möchte. Gruppen wie die LHG (Liberale Hochschulgruppe) beharren stattdessen auf die Forschungsfreiheit. Auch beim Gendern gibt es unterschiedliche Meinungen.

Politische Hochschulgruppen haben mehr Einfluss auf das Unileben, als viele denken.

León Eberhardt

Doch Hochschulpolitik geht weit über diese grundlegenden Meinungsverschiedenheiten hinaus. So setzen sich die Hochschulgruppen (des öfteren gemeinsam) in Bamberg beispielsweise für besseres Internet oder die Aufzeichnung von Vorlesungen ein. Auch bei flexibleren Abmeldefristen von Prüfungen sind sich alle einig. Ebenso baut der Konvent beispielsweise Druck auf die Mensa auf, wenn der Bedarf nach vegetarischen und veganen Speisen steigt. Zusätzlich macht sich der Konvent bei der Barrierefreiheit in der Universität sowie Beratungsstellen für die jeweiligen Anliegen der Studierenden stark.

Daher lohnt es sich sehr, sich in einer politischen Hochschulgruppen zu engagieren oder die politischen Gremien durch Wahlen zu unterstützen. Eine hohe Wahlbeteiligung sorgt für die Steigerung der Aussagekraft, dass die Interessen der Studierenden ernsthaft verfolgt werden. Auf eine erfolgreiche Wahlwoche!

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